Pablo Garcia / Addie Wagenknecht: Webcam Venus (2013) [NSFW]

Das gera­de ein­mal zwei Minu­ten und ein­und­vier­zig Sekun­den lan­ge Video Web­cam Venus (2013) beginnt rela­tiv nichts­sa­gend: mit einem krei­sen­den Buf­fe­ring-Sym­bol. Das ers­te Bild zeigt einen jun­gen Mann im Kapu­zen­pull­over, der etwas nach­denk­li­ch an der Kame­ra vor­bei­schaut. Im zwei­ten Bild ist eine jun­ge Frau mit neu­tra­lem Gesichts­aus­druck zu sehen. In einem schwar­zen Negli­gé liegt sie bäuch­lings auf dem Sofa, in ihrer Bril­le spie­gelt sich der Moni­tor eines Lap­tops. Das drit­te Bild zeigt ein älte­res Pär­chen, das ruhig neben­ein­an­der­sitzt, die Frau hat ihren Kopf auf der Schul­ter des Man­nes abge­legt, in des­sen Bril­len­glä­sern eben­falls zwei hel­le Bild­schirm-Recht­ecke flim­mern. Alle drei Auf­nah­men schei­nen von Web­cams gefilmt. Pablo Gar­cia / Addie Wagen­knecht: Web­cam Venus (2013) [NSFW] wei­ter­le­sen

Kneeling im US-Sport

Die letz­ten drei­ein­halb Mona­te habe ich an der Prin­ce­ton Uni­ver­si­ty in den USA ver­bracht. In die­ser Zeit habe ich meh­re­re Col­le­ge-Sport Ver­an­stal­tun­gen auf dem Cam­pus besucht. Ein bestimm­tes Ritual war Bestand­teil aller Begeg­nun­gen: Vor den Par­ti­en wur­den alle Anwe­sen­den auf­ge­for­dert, sich zu erhe­ben und ihre Müt­zen und Hüte abzu­neh­men, wäh­rend die Natio­nal­hym­ne gespielt wur­de. Bei einer Begeg­nung im Damen-Bas­ket­ball leg­ten sich vie­le Zuschaue­rin­nen und Zuschau­er mit Bli­ck auf die US-Flag­ge die rech­te Hand auf die Brust, die schwar­zen Spie­le­rin­nen aller­dings knie­ten für die Dau­er der Hym­ne nie­der. Knee­ling im US-Sport wei­ter­le­sen

Thomas Bernhard: ‚Die Kälte‘ (1981)

Kei­ne zwei­ein­halb Jah­re ist es her, dass ich mir infol­ge der Dia­gno­se Asth­ma bron­chia­le für einen kur­zen, schreck­haf­ten Moment die Mög­lich­keit ein­bil­de­te, in der Tra­di­ti­on von Proust und Kaf­ka lun­gen­kran­ker Schrift­stel­ler zu wer­den. Was mir damals weni­ger als ein nun nahe­lie­gen­der Beruf, denn als eine phy­si­sche Anru­fung erschien, hat sich in der Zwi­schen­zeit in kei­ner­lei lite­ra­ri­scher Anstren­gung mani­fes­tiert. Offen­sicht­li­ch ist mei­ne Krank­heit nicht stark genug, um so etwas wie ‚Talent’ her­vor­zu­brin­gen und auch der Gedan­ke an das Schick­sal eines frü­hen Todes mag mich davon abge­hal­ten haben, die­sen Weg kon­se­quent zu ver­fol­gen. Als ich ges­tern am frü­hen Abend – ange­regt von einer Rezen­si­on, die Rai­nald Goetz 1981 in DER SPIEGEL ver­öf­fent­licht hat – Die Käl­te. Eine Iso­la­ti­on (1981) von Tho­mas Bern­hard auf­schlug, schien ich von mei­ner hypo­chon­dri­schen Ein­tags­am­bi­ti­on längst geheilt und war mir kei­ner Gefahr eines Rück­falls bewusst. Tho­mas Bern­hard: ‚Die Käl­te‘ (1981) wei­ter­le­sen

Heitere Momente des Als-Ob

The Kni­fe in der Colum­bia­hal­le, Ber­lin (11. Mai 2013)

Als The Kni­fe 2006 ihr ers­tes Kon­zert spiel­ten, hat­ten sie mit Silent Shout bereits ihr drit­tes Stu­dio­al­bum ver­öf­fent­licht. Ihre bis dahin unge­lös­te Fra­ge, wie sich elek­tro­ni­sch pro­du­zier­te Musik jen­seits eines blo­ßen Play­backs in einer Büh­nen­si­tua­ti­on prä­sen­tie­ren lie­ße, beant­wor­te­te das schwe­di­sche Geschwis­ter­paar mit einer hoch­gra­dig thea­tra­len Insze­nie­rung, die das musi­ka­li­sche Liveele­ment auf den Gesang und ein­zel­ne Drum­spu­ren redu­zier­te. Sowohl am vor­de­ren Büh­nen­rand als auch am Büh­nen­ho­ri­zont waren Lein­wän­de instal­liert, die mit auf­wän­dig pro­du­zier­ten, die Musik illus­trie­ren­den Visu­als pro­ji­ziert wur­den. Hin­ter dem in schwar­zen Over­alls geklei­de­ten und mit Latex mas­kier­ten Duo befand sich eine Staf­fel neon­bun­ter Schein­wer­fer, die, vom Rhyth­mus der Musik getrig­gert, deren bereits visu­ell über­schrie­be­ne Kör­per gänz­li­ch in ein sprin­gen­des Schat­ten­spiel auf­lös­ten. Hei­te­re Momen­te des Als-Ob wei­ter­le­sen