Thomas Bernhard: ‚Die Kälte‘ (1981)

Kei­ne zwei­ein­halb Jah­re ist es her, dass ich mir infol­ge der Dia­gno­se Asth­ma bron­chia­le für einen kur­zen, schreck­haf­ten Moment die Mög­lich­keit ein­bil­de­te, in der Tra­di­ti­on von Proust und Kaf­ka lun­gen­kran­ker Schrift­stel­ler zu wer­den. Was mir damals weni­ger als ein nun nahe­lie­gen­der Beruf, denn als eine phy­si­sche Anru­fung erschien, hat sich in der Zwi­schen­zeit in kei­ner­lei lite­ra­ri­scher Anstren­gung mani­fes­tiert. Offen­sicht­lich ist mei­ne Krank­heit nicht stark genug, um so etwas wie ‚Talent’ her­vor­zu­brin­gen und auch der Gedan­ke an das Schick­sal eines frü­hen Todes mag mich davon abge­hal­ten haben, die­sen Weg kon­se­quent zu ver­fol­gen. Als ich ges­tern am frü­hen Abend – ange­regt von einer Rezen­si­on, die Rai­nald Goe­tz 1981 in DER SPIEGEL ver­öf­fent­licht hat – Die Käl­te. Eine Iso­la­ti­on (1981) von Tho­mas Bern­hard auf­schlug, schien ich von mei­ner hypo­chon­dri­schen Ein­tags­am­bi­ti­on längst geheilt und war mir kei­ner Gefahr eines Rück­falls bewusst. Tho­mas Bern­hard: ‚Die Käl­te‘ (1981) wei­ter­le­sen

Das Ende der Unterscheidungen

Dave Eggers Roman The Cir­cle (2013)

Als im Okto­ber 2013 Dave Eggers Roman The Cir­cle erschien, war der Skan­dal um die vom ehe­ma­li­gen Geheim­dienst­mit­ar­bei­ter Edward Snow­den ent­hüll­ten Spio­na­ge­pro­gram­me der US-Regie­rung gera­de ein­mal vier Mona­te alt. Die in einer als Syn­the­se von Face­book, Goog­le und Twit­ter cha­rak­te­ri­sier­ten Fir­ma situ­ier­te Geschich­te schien damit per­fekt in das scho­ckier­te Kli­ma der just aus­ge­ru­fe­nen Big-Data-Apo­ka­lyp­se zu fal­len. Schließ­lich beschreibt Eggers die Wirk­lich­keit eines Sys­tems, in dem Mensch und Leben auf deren quan­ti­fi­zier­ba­ren Ele­men­te redu­ziert, die Idee indi­vi­du­el­ler Frei­heit zuguns­ten eines Phan­tas­mas abso­lu­ter Sicher­heit durch umfas­sen­de Über­wa­chung auf­ge­ge­ben und das Geheim­nis als Kon­sti­tu­tiv demo­kra­ti­scher Wil­lens­bil­dung im Zei­chen der Trans­pa­renz kri­mi­na­li­siert wer­den. Das Ende der Unter­schei­dun­gen wei­ter­le­sen

Gastprofessor Goetz

Bericht über die Hei­ner-Mül­ler-Gast­pro­fes­sur mit Rai­nald Goe­tz am Peter-Szon­di-Insti­tut für All­ge­mei­ne und Ver­glei­chen­de Lite­ra­tur­wis­sen­schaft der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin (Som­mer­se­mes­ter 2012)

Es beginnt mit einer Hass­emp­fin­dung. (Rai­nald Goe­tz)

Seit der Antritts­vor­le­sung im Mai 2012 und den fol­gen­den Semi­nar­ter­mi­nen ist viel ver­öf­fent­licht und im Pri­va­ten ver­mut­lich noch weit­aus mehr geschrie­ben wor­den über die Hei­ner-Mül­ler-Gast­pro­fes­sur von Rai­nald Goe­tz am Peter-Szon­di-Insti­tut der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin: Pres­se­ar­ti­kel, Blogs aus dem Semi­nar­raum, nicht zuletzt ein Arti­kel in der August­aus­ga­be des Mer­kur. Nach­dem Goe­tz sich über län­ge­re Zeit öffent­li­chen Auf­trit­ten ent­zo­gen hat­te, schwingt sich im Jahr der Ver­öf­fent­li­chung sei­nes neu­en Romans Johan Hol­trop eine gestei­ger­te Begier­de nach dem Autor auf, die von die­sem durch eine gemein­sam mit Died­rich Diede­rich­sen an der Hum­boldt Uni­ver­si­tät Ber­lin gehal­te­ne Ver­an­stal­tung unter dem Titel mehr, spä­ter mit der medi­en­wirk­sa­men Insze­nie­rung sei­ner Buch­über­ga­be an die in den Suhr­kamp-Ver­lag ein­ge­la­de­nen Kri­ti­ker nicht nur bedient, son­dern direkt ange­facht wur­de. Gast­pro­fes­sor Goe­tz wei­ter­le­sen